Neuer Transformator für SEO-Pumpspeicherwerk mit hohem
logistischem Aufwand aus Malignes (B) angeliefert
Ein nein Meter langer, 3,65 Meter breiter und 4,5 Meter
hoher Koloss mit einem Gewicht von 122 Tonnen befindet sich seit vergangener
Nacht auf dem Weg nach Bech-Kleinmacher nach Vianden. Heute gegen Mittag
soll der gewaltige Transformator im Pumpspeicherwerk der SEO in Stolzemburg/Vianden
angekommen sein. Dort wird das Gerät einen ausgefallenen Transformator
ersetzen.
Dass der Transport einer logistischen Meisterleistung
gleichkommt, daran ließ Cary Arendt von "ATS-Cranes"
aus Frisingen keinen Zweifel. Vom Gebäude des Herstellers Pauwels
aus Malignes (B) wurde der Trafo bereits am vergangenen Dienstag mit
einem Schwertransporter zum Hafen von Malignes gefahren, wo ein Spezialschiff
die Ladung übernahm. Nach fast einwöchiger Fahrt hatte das
Schiff am Sonntagabend den Landesteg der Firma Hein in Bech-Kleinmacher
erreicht.
Die Koordinierung des Transportes, der von der Firma
Intermont aus Charleroi ausgeführt wird, wurde in Luxemburg von
"ATS-Cranes" übernommen. Für das Verladen des Kolosses
vom Schiff auf einen Schwertransporter wurde ein mobiler Kran mit einer
Tragkraft von 500 Tonnen benutzt. Das achtachsige, 96 Tonnen schwere
Kranfahrzeug wurde vor dem Verladen des Trafos mit 135 Tonnen Gegengewicht
belastet. Weil der Firmeneigene 500-Tonnen-Kran von ATS derzeit im Windpark
von Heinerscheid im Einsatz ist, wurde auf einen entsprechenden Kran
der Partnerfirma Steil aus Trier zurückgegriffen, der gestern kurzfristig
aus Dillingen (D) nach Bech-Kleinmacher gefahren wurde. Nach dem Verladen
gestern Abend kurz nach 19 Uhr sollte um 23 Uhr eine anstrengende, acht-
bis neinstündige Fahrt im Schneckentempo (maximal 25 km/h nach
Hosingen beginnen - zunächst nach Hosingen, dann der letzte Abschnitt
der Strecke nach Vianden hat es in sich: "Da geht es in Kurven
steil hinab und es wird stellenweise richtig eng", erklärte
Cary Arendt, der die Strecke zuvor selbst abgefahren war. Deshalb wolle
man diesen Teil der Strecke bei Tageslicht zurücklegen. In Hosingen
sollte auch die Polizeieskorte abgelöst werden.
Einschließlich des neunachsigen Anhängers
und der beiden vierachsigen Zugmaschinen wies das Gespann ein Gesamtgewicht
von 180 Tonnen auf. Um die schwere Ladung den Remicher Berg hinaufzubefördern,
mussteeine Zugmaschine schleppen, während die zweite schob. 5,5
Meter Höhe, 36 Meter Länge und 3,5 Meter Gesamtbreite führten
dazu, dass an 15 bis 20 Stellen Hindernisse wie z.B. Verkehrsampeln
um ihre Achse gedreht werden mussten. "Bei 5,5 Metern Höhe
muss man ständig aufpassen", so Cary Arendt.
Die Strecke führte über Frisingen, Alzingen,
Hesperingen, Howald, Luxemburg-Bahnhof, Place de l'Etoile, Rollingergrund,
Walferdingen, Lorentzweiler, Mersch, Cruchten, Colmar-Berg, die Umgebung
von Ettelbrück (in verkehrter Richtung), Hoscheid-Dickt, Rodershausen,
Obereisenbach und an Pütscheid vorbei nach Stolzemberg.
Der Transformator ist für "Maschine 10"
des Pumpspeicherwerks bestimmt. Wie Francis Angelsberg, Chef des SEO-Stromdienstes
in Vianden, erklärte, handelt es sich um den stärksten Transformator
in Vianden mit einer Leistung von 230 MVA (Megavolt-Ampère),
der die Spannung von 15,75 auf 240 Kilovolt umwandelt. Die Maschine
1 bis 9 leisten lediglich 115 MVA.
Der rund 30 Jahre alte Transformator von Maschine
1ß war Ende Dezember 2003 ausgefallen. Eine Reparatur wäre
nicht mehr rentabel gewesen. Der Ausfall sei von den neun restlichen
Maschinen teilweise kompensiert worden, erklärte Francis Angelsberg.
Allerdings habe der Partner RWE vorübergehend einen Teil seines
Stroms anderswo einkaufen müssen. Dass die Lieferung des neuen
Transformators fast ein halbes Jahr gedauert habe, sei darauf zurückzuführen,
daß es sich um eine Einzelanfertigung handele, präzisierte
Francis Angelsberg abschießend.